Seit Mitte April hat die Landesgartenschau in Würzburg nun ihre Pforten geöffnet. Für mich waren vor allem die Wochen und Monate zuvor sehr anstrengend und arbeitsreich. Warum? Weil wir hier gemeinsam mit rund 30 ehrenamtlichen Gartenfreunden einen über 1.800 qm großen urbanen Gemeinschaftsgarten (die StadtGartenSchau) aus dem Nichts erschaffen haben. Wenn ihr mehr über das Projekt erfahren möchtet, dann schaut doch in den Blog-Beitrag aus dem April nochmal rein. Da könnt ihr auch sehen, wie üppig es im Vergleich dazu nun schon geworden ist. Mittlerweile kommen wir mit dem Abernten der Salate kaum mehr hinterher :-)
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Große Glücksgefühle
Nach wie vor überkommt mich Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke, wie wir hier gemeinsam im bitterkalten Winter die Steine geschichtet haben oder uns die Finger beim Befestigen der Holzwand oder dem Aufbau des Gewächshauses schier abgefroren sind. Dennoch gab es nie Probleme, dass sich die Gruppe nicht mehr für die Sache begeistert hätte. Ganz im Gegenteil: Mit jedem schweren Stein und Kampf mit dem Lehmboden schienen wir mehr zu brennen und uns gegenseitig anzutreiben. Jeder Einzelne von uns hat so viel dazu beigetragen, dass die Besucher nun diese einzigartige Gartenfläche bestaunen können. Ihr glaubt gar nicht, was es für ein unbeschreiblich schönes Gefühl ist, dass der Garten nicht mehr nur unser Lieblingsort ist, sondern sich die unzähligen Besucher hier genauso zuhause fühlen wie wir.

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Gemeinsam gärtnern und lernen
Wir gärtnern zwar gemeinschaftlich aber dennoch hat natürlich jeder so seine gärtnerischen Vorlieben und Schwerpunkte. Bei Conny ist es die Mischkultur, bei Fabian die MILPA, bei Elmar die Wandbegrünung und bei Pascal die Sonnenfalle. Bereits bei der Planung des urbanen Gartens ließ jeder von uns seine Wünsche und Vorstellungen mit einfließen. Genau das gefällt mir so gut an der Gartenarbeit in der Gemeinschaft: es kommen die vielfältigsten Ideen zusammen und man lernt unglaublich viel Neues. Ein Hügelbeet oder ein Sandarium hätte ich selbst wahrscheinlich nicht in naher Zukunft angelegt. Auch die vielfältigen Pflanzen, die sich auf unserem Gelände einfinden sind immer wieder spannend: Färberpflanzen, Inkagurke oder gar essbare Teichpflanzen – was Vielfalt im Garten wirklich bedeutet habe ich hier erst so richtig verstanden.

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Für die Feuerbohnen haben wir ein paar Juteschnüre gespannt, sodass schon ganz bald ein essbarer Sichtschutz an der kleinen Terrasse entsteht. Gleich nebenan, am bunten Holzspalier, findet eine Mini-Kiwi Halt.

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Kreative Pflanzgefäße gehören natürlich auch dazu: Hier haben wir leere PET-Verpackungen in Butterbrottütchen versteckt und einen Olivenölkanister als Blumenbeet umfunktioniert.

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Die Kräuterschnecke wächst mittlerweile prächtig ein und der Salbei blüht bereits – da freuen sich die Bienen!

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Das Hügelbeet ist bereits voll bepflanzt mit Salaten, Tomaten und Zwiebeln. Gleich daneben sind unsere Naschlilien, denn auch hier gibt es Sorten, die man essen kann.

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Gärtnern mit Publikum
Besonders schön ist auch der Austausch mit den Besuchern der Landesgartenschau. Wenn wir am Sonntag voller Elan Mais und Bohnen pflanzen ernten wir schon mal schräge Blicke und der ein oder andere Besucher spricht uns verwundert an, warum wir denn am Wochenende arbeiten müssen. Dann erzählen wir natürlich gerne, dass das für uns keine Arbeit ist sondern Freizeitvergnügen. Was wir hier bisher geleistet haben und wie viel Anerkennung das verdient wurde mir tatsächlich erst im Austausch mit den Besuchern so wirklich bewusst.

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Nicht alles wird sofort von uns geerntet: dieser Ruccola hier ist absichtlich zur Blüte gekommen, denn wir wollen ja auch wieder Saatgut für das kommende Jahr ernten. Außerdem geben wir dieses auch gegen Spende an die Besucher ab.

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Fabian und Molly kümmern sich um unser Auto, das die Besucher magisch anzieht – ein echter Hingucker oder?!

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Wie schön, dass wir auch bei den tierischen Besuchern auf Begeisterung stoßen! Die Phacelia sollte uns eigentlich nur als Gründüngung dienen und hätte schon längst untergegraben werden sollen. Doch da die Blüten nun beliebte Nektarspender sind warten wir damit noch ein wenig ab und haben den Teil  kurzerhand zur Bienenweide erklärt.

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Unsere Pflanzen haben wir schon vor einigen Wochen bei Elmar vorgezogen, unserem einzigen gelernten Gärtner in der Gruppe. Natürlich haben wir sicherheitshalber von allem ein wenig mehr aufgezogen. Was nun zuviel ist wird gegen Spende abgegeben. Da wir natürlich nur samenfestes Saatgut verwenden kann man dann selbst auch wieder Saatgut davon ernten.

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Was ist das denn?! Richtig gesehen, das ist Hanf! Aber keine Sorge, es handelt sich um reinen Nutzhanf, den man früher zur Herstellung von Fasern bzw. Stoffen verwendet hat. Übrigens ist es nicht ohne weiteres möglich Hanf anzubauen. Hierzu muss man erst so einige Genehmigungen einholen, bevor man loslegen kann. Gleich daneben sind die passenden Färberpflanzen angebaut, mit denen man damals die Stoffe gefärbt hat.

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