Das große Einwintern


Der Sommer blieb so lang und der Winter kam so schnell. Und wenn es in unserer Gemüse-Kühlung wärmer ist als draußen, wissen wir, es ist nun wirklich soweit 😉 Ich bin Garten Fräuleins Schwester und berichte heute wieder, was bei uns auf Louisgarde so los ist zu dieser Jahreszeit. Bestimmt finden die Gärtner unter euch da einige Parallelen, wenn auch im kleineren Stil.

Wir wintern uns ein

Im Winter hat der Gärtner nichts zu tun – mag man vielleicht vermuten. So manchem unter euch muss ich nicht sagen, dass das keinesfalls so ist. Wobei wir schon ein bisschen im Wintermodus sind und es natürlich auch mal etwas ruhiger angehen lassen werden, denn wir spüren, dass wir das brauchen, dass wir nicht so vital sind an den grauen, kalten Tagen und nach der intensiven Sommersaison. Wir sind von unserem selbst gebauten Tiny House (über das ich bei Gelegenheit noch näher berichten werde) wieder ins große Wohnhaus gezogen, wo wir ein bisschen rumgewerkelt haben, den Flur vergrößert, den Holzofen in die Wohnung gestellt – eine tolle, ganz andere Wärme ist das im Gegensatz zur Heizungswärme.

Unsere drei Zebus haben wir von ihrer Herbstweide wieder auf die Streuobstwiese geholt, von wo aus sie Zugang zu ihrem Unterstand haben, den sie jetzt nachts gern nutzen, um zusammen im Stroh zu liegen. Und nachdem sie auch die letzten Äpfel verputzt haben, die noch auf der Wiese lagen, bekommen sie ab und an wieder etwas Heu – dieses Geräusch, wenn sie das Heu zwischen ihren großen Zähnen zermalmen, auch das macht bei mir Wintergefühle; und die weiße Ida wechselt ihr Fell und wird teilweise grau, und ein bisschen struppig ist ihr Winterpelz 🙂

Die Marienkäfer, die in den letzten warmen Tagen vor ein paar Wochen in Schwärmen zu Hunderten am Waldrand geflogen sind, haben sich zu Haufen geballt, um in die Winterruhe zu starten; wir haben sie beim Aufräumen unter diversen Kisten im Holzschuppen entdeckt und die Kisten natürlich sofort zurück gestellt. Die mehrjährige Blühmischung, die ihr ganz oben auf dem Bild seht, lassen wir übrigens einfach so stehen, denn auch hier finden Insekten Unterschlupf.

Wir wintern den Garten ein

Draußen in den Gewächshäusern pflanzen wir jetzt unendlich viel Feldsalat. Andere Beete werden noch abgeräumt, die Strünke von Wirsing und Grünkohl werden gehäckselt, bevor sie auf den Kompost kommen – die Mikroorganismen sollen viel Angriffsfläche haben bei ihrer Arbeit. Wenn ihr zu Hause keinen Häcksler habt, könnt ihr solche kräftigen, holzigen Reste auch grob zerhacken, mit einem Beil oder mit dem Spaten.

Die Beete im Freiland, auf denen keine Gründüngung über den Winter steht, werden mit der Spatenmaschine bearbeitet. Der Boden wird dabei nicht gewendet, so bleibt jede Bodenschicht auf ihrer Ebene und somit auch die darin befindlichen Lebewesen, die sich in genau dieser Schicht wohlfühlen und die wir nicht allzu sehr stören wollen. Unsere Maschinen und Geräte sollen auf Vordermann gebracht werden, gesäubert, eingeölt und wettergeschützt untergestellt – mal sehen, ob wir das diesen Winter alles hinkriegen, denn meistens ist es so: Wir werkeln vor uns hin, planen, räumen rum und ZACK… steht der Frühling und die Tomaten-Aussaat vor der Tür 😉

Wir planen gut

…oder versuchen es zumindest, denn manches ist einfach nicht planbar oder kommt dann doch anders als gedacht. Aber eine gute Planung gibt uns Sicherheit, wir bleiben eben trotzdem flexibel 🙂 Wir sehen also nach, was wir noch an Saatgut haben, nehmen die Notizen vom Sommer und schauen, wo welches Gemüse wachsen soll im nächsten Jahr; eine gute Fruchtfolge ist beim Anbau sehr wichtig, dabei beachten wir die Nährstoffbedürfnisse der verschiedenen Gemüse. Und wenn wir richtig gut sind, tragen wir sogar schon die Aussaattermine in den nächstjährigen Kalender ein, denn wir sollten so säen und pflanzen, dass laufend genug Frisches für die Abokisten, die Bioläden und den Markt erntebereit ist. Manchmal ist das eine Herausforderung, so viel auf einmal im Kopf zu haben, aber jedes Jahr macht die Planerei wieder aufs Neue Spaß und ab und zu freue ich mich schon jetzt auf den nächsten Frühling, wenn es wieder los geht draußen.

Übrigens…

Die ominöse Wurzel vom letzten Mal gehört zum Chicorée. Sie und ihre Kollegen ruhen gerade in der Kühlung und werden bald in Eimern mit feuchter Erde steckend hoffentlich leckere kleine Chicorées austreiben – etwas bitter, so wie es sich für einen Wintersalat gehört.

Beim nächsten Mal werde ich euch unter anderem berichten, welche Möglichkeiten es gibt, auf so einem Hof wie unserem mal reinzuschnuppern, mitzuhelfen und das Leben und den Alltag kennenzulernen.

Bis dann! Habt eine gute Zeit und wintert euch ebenfalls anständig ein.

Kategorien Hofliebe

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Melanie

über

Melanie ist die große Schwester des Garten Fräuleins. Beide hat die Kindheit auf dem Land sehr geprägt. Mittlerweile lebt und arbeitet Melanie auf dem Demeterhof Louisgarde in Baden Württemberg. Ihren früheren Bürojob hat sie vor langer Zeit an den Nagel gehängt und damit ein neues naturverbundenes Leben begonnen.

4 Kommentare zu “Das große Einwintern

  1. Dieser Bericht war wirklich toll und sehr interessant. Das du neuerdings auch auf dem dem Blog deiner Schwester erscheint ist eine echte Bereicherung, das darf gerne so bleiben.

  2. Oliver Borres

    Hallo Melanie, vielen Dank für deinen schönen Beitrag. Ich würde gern mal bei euch vorbei schauen. Leider habe ich nicht so viel Zeit, aber interessieren würde es mich schon. LG Oliver

    • Melanie

      Du wärst natürlich willkommen bei uns; vielleicht klappt es ja doch irgendwann, evtl. im nächsten Jahr zur Beerensaison, wenn wir wieder wochenends unser Café unter den großen Weiden im Garten haben 🙂

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